Als Marie bei uns einzog, waren wir noch in Cuxhaven. Wir konnten es kaum mehr erwarten, sie endlich „live und in Farbe“ bei uns zu haben und fieberten diesem Tag entgegen. Und obwohl Vorfreude die schönste Freude sein soll, lege ich hier mal Einspruch ein... Dem ist nämlich gar nicht so! Die schönste Freude ist es, wenn der erste Augenblick der Begegnung da ist, man den Hund spüren kann und man selbst nur noch paralysiert und mit einem fetten Grinsen im Gesicht durch die Gegend läuft, kurz: wenn man das Glück kaum fassen kann!
Es hat alles geklappt, Marie ist wohlbehalten angekommen – an dieser Stelle vielen Dank an die Organisatorin Claudia von den Petangels und an die Flugpaten, die sie mitfliegen liessen!
Auch Spunk hiess ihre neue Freundin herzlich willkommen, indem sie Marie auf dem Weg zum Auto anstupste und einen Freudentanz aufführte.
Auf dem Rückweg nach Cux kuschelte sich Marie schon an mein Bein und schlief neben mir. Morgens um 7 Uhr waren wir wieder am Haus und ich startete direkt mal die erste gemeinsame Runde... Dass Marie wahrhaftig ein Podencomix ist, zeigte sie bereits nach den ersten 20 Metern, als Wild hochging. Oh, ab dem Zeitpunkt grinste ich noch mehr als vorher (wenn das überhaupt geht?!). Wie war das, Sista: Mine war das „warm-up“ und die wirkliche Herausforderung würde jetzt auf mich warten?! Jepp, so ist es! Und ich freu mich so drauf – und das meine ich ernst! Ich freu mich so sehr auf das Abenteuer und unseren gemeinsamen Weg.
Nur mal eben zwischendurch für alle, die es interessiert, wie Podencos jagen:
Mein Spanisch ist nach den vielen Jahren so eingerostet, dass ich leider gar nicht verstehe, was die da eigentlich in dem Video erzählen, aber ich denke, die Bilder sprechen für sich. Podencos sind windhundähnliche Jagdhunde, die für die Kaninchenjagd eingesetzt werden. Dabei sind sie Solitärjäger, d.h., sie agieren sehr eigenständig, sind bei der Jagd nicht auf den Menschen angewiesen und legen „einfach los“ – um es mal so zu sagen. Sie werden an die Stelle gebracht, wo die Kaninchen gejagt werden sollen, sie holen sie und bringen sie ihrem Menschen.
Wie dem auch sei, Marie hat schnell mitgeteilt, dass auch in ihr die „Jagdsau“ steckt. Und dabei ist sie blitzschnell! Selbst während des Spazierengehens an der Leine, dreht sie sich im Lauf mal eben kurz um und hat nen Frosch, ne Maus oder was auch immer...
Aber zurück zum eigentlichen Einzug...: Marie mochte zunächst nicht das Haus betreten. Vielleicht kannte sie es nicht im Haus oder vielleicht wurde sie auch vertrieben, wenn sie mal an einem war? Neben dem, dass wir es sicherlich nie herausfinden werden, ist es auch total egal, wir können es eh nicht ändern und ein neues Leben hat begonnen. Marie beweist jeden Tag aufs Neue, was in ihr steckt: sie stellt sich jeder Aufgabe und Herausforderung und wächst dabei nahezu über sich selbst hinaus! Immer wieder! Es ist so toll mitzuerleben, wie dieser durchaus schüchterne oder punktuell auch ängstlicher Hund sich dem stellt, sich orientiert, lernt und über „ihren eigenen Schatten springt“. Sie hat Ditze und mir von Anfang an soviel Vertrauen geschenkt, dass sie mit uns sämtliche Hürden meistert.
So auch die Türschwelle.... ;) Und nicht nur die: Küchentresen, Tische, Mülleimer und alles, was so rumstand, wurde erst mal genauestens untersucht – mit vollem körperlichen Einsatz! *schallend lach* Und spätestens, als sie sich über meinen Kaffeebecher hermachte, der für sie verlockend auf dem Tisch stand, wusste ich: auch für mich hat ein neues Zeitalter angefangen. Ab jetzt galt es wieder: räume deine Klamotten weg und vor allem: achte darauf, dass sich Behälter mit Flüssigkeiten ganz, aber wirklich ganz weit weg von elektronischen Geräten befinden! Für nicht Eingeweihte unter uns: ich habe schon zwei Laptops gecrasht – einmal mit Kaffee, einmal mit Rotwein... Aber mal ernsthaft: wie kann eine Freundschaft besser beginnen, als mit einem Schluck Kaffee aus einer gemeinsam genutzten Tasse?! Das Leben ist aufregend! ;)
Anschließend ging es auf eine kurze Inspektionsrunde in den Garten. Da dieser aber nur mit einem kleinen Jägerzaun in Kniehöhe versehen ist, hab ich vorsichtshalber mal die Schleppleine dran geklinkt. Hätte ich mir allerdings auch sparen können, denn sie zeigte keine Ambitionen, über den Zaun zu gucken:
Wir hatten noch drei Tage in Cuxhaven, die wir zum gegenseitigen Kennenlernen nutzen konnten. Als hätten wir nie was anderes gemacht, sind wir zusammen morgens an der Strandpromenade längs zum Bäcker, mittags in den Wald und am Abend ins Watt. Direkt am ersten Abend konnte Marie ihren Energien freien Lauf lassen: wir haben sie von der Leine gelassen. Was für eine Freude! Und wie schnell sie ist! Da geht einem das Herz auf...: rennen, rennen, rennen – aus Spaß an der Freud und die große weite Welt entdeckend. Da hätte keine Handykamera mithalten können, um diese Dimension und Geschwindigkeit rüberzubringen (drum gibt es leider davon auch keine Bilder...).
Und wisst Ihr, was für Marie eines der tollsten Erfindungen der Welt ist? Rosinenstangen! Jawohl. Das sind eigentlich übergroße Rosinenbrötchen, die zwar lecker schmecken, aber dass sie eine solche Wirkung auf Marie haben, damit hatte ich nicht gerechnet! Nichts ahnend machte ich mir eine dieser Rosinenstangen, setzte mich aufs Sofa und ein Hund von runden 55 cm Schulterhöhe, verwandelt sich in eine Krähe und versucht mir auf die Schulter zu klettern. Von dort aus hätte sie eine bessere Chance und sie müsse dem noch mal Nachdruck verleihen, dass sie so was Tolles wie eine Rosinenstange noch nie nicht hatte! Aha! Gelegenheit erkannt und genutzt....: da Marie Angst vor Treppen zu haben schien, hab ich mich einfach mit besagter Rosinenstange in Bewegung gesetzt und bin ins obere Stockwerk gelatscht. Eine kleine Krähe folgte mir und ehe sie sich versah, hatte sie die Treppe erklommen und ein Stück von der heiss begehrten Rosinenstange in der Schnüss! Und danach bekam ich große Augen, denn was macht Marie? Stolz wie Bolle demonstriert sie unaufgefordert und immer wieder, dass sie was neues gelernt hatte: Treppen steigen! Offensichtlich übte sie ihr neues Hobby, denn während ich vor der Glotze hockte, stiefelte sie gezielt die Treppe rauf und runter... ;)
Und wenn Marie nicht gerade demonstrierte, wie toll sie lernen kann, dann chillte sie gemeinsam mit Spunk:

