Nach dem heutigen Tag wage ich es tatsächlich von Maries unheimlichen Fortschritten in den letzten Tagen zu berichten.
Bisher hatte ich mich ein wenig davor gescheut - nicht, dass alles wieder verschwunden ist, ehe ich den Beitrag auf "veröffentlichen" gesetzt habe. ;) Nach meinem letzten Beitrag "Was tu ich nur mit diesem Hund?" hätte ich nicht damit gerechnet, dass wir innerhalb von diesen wenigen Tagen einen solchen Wandel durchlaufen würden. Genau genommen weiss ich immer noch nicht, was eigentlich passiert ist, dass es zu diesem Wandel kam...?!
Bei ihrem letzten "Ausflug" hatte Marie durchaus mit ihrem Leben gespielt, denn sie war so schnell Richtung Schnellstrasse unterwegs, dass ich froh sein konnte, dass ich sie noch heil und im Ganzen wieder zurück bekam. Und selbst, wenn ich in dem Moment nicht hysterisch nach ihr gebrüllt habe, so war ich mit den Nerven soweit, dass ich schon im Gedanken bereit war, sie in einen Schafzaun einzuwickeln und daran ein Stromgerät anbringen zu wollen. Damit ich sie irgendwie zum Stoppen bekomme, ehe ein Auto sie erfasst. Wobei es fragwürdig war, ob das überhaupt geholfen hätte, denn eigentlich liess sie sich bekannter massen ja noch nicht einmal durch einen Stromzaun vom Jagen abhalten... Doch irgendwas ist mit diesem Gedanke passiert, denn danach fing Marie an, sich zu verändern. Es brauchte den Stromzaun nicht mehr...:
Plötzlich schaute mich Marie häufiger auch draußen mal an.
Wenn sie dermaßen an der Leine zerrte, dass ich sie kaum mehr halten konnte und mein Rücken drohte durchzubrechen, blieb ich stehen und verlangte von ihr, zu mir ranzukommen. Und sie kam ran, aber nicht "einfach so", sondern viel mehr flog sie in meine Richtung und knallte ihren Hintern an mein Bein. Wenn nichts weiter von mir kam, setzte sie sich sogar neben mich. Und wartete...., bis ich das oK gab, weiter zu gehen.
Wenn wir auf der Wiese waren, dann konnte ich sie abrufen! Ja, Ihr lest richtig! Dieser Hund stand schreiend am Zaun, wollte einem Kanickel hinter her und ich gab in einem Kavallerieton mit solch einer Lautstärke, dass selbst Herr Schmidt und Herr Meyer vom nächstbesten Schäferhundverein stramm gestanden hätten, das Kommando, dass sie zu mir kommen soll und: sie kam! Ich konnte es kaum glauben, probierte es nochmal: es funktionierte. Fortan stand ich zwar wie der Oberfeldwebel des Nordens auf der Hundewiese, aber Marie kam immer schneller und zuverlässiger. Derweilen brauche ich gar nicht mehr brüllen. Wir haben es schon auf eine etwas gesellschaftsfähigere Lautstärke herunterschrauben können. Aber die Hauptaussage ist, dass mein Hund jetzt tatsächlich kommt, wenn ich sie rufe! Wenn sie zögert, schiebe ich ein Ruhrpott-Gossenslang-"EY!" hinterher und sie bricht sogar die Hatz hinter einem Vogel oder Kanin ab! Es ist unglaublich!!! Wenn sie besonders gut und schnell bei der Sache ist, schicke ich sie direkt im Anschluss wieder los. Sie darf ihre Runde durchs Gebüsch noch einmal drehen. Nur, um sie anschliessend wieder abzurufen.
Ich glaube, wir wachsen gerade beide... Und selbst während ich diese Zeilen schreibe, kann ich ein breites Grinsen nicht unterdrücken.
Wenn wir laufen, dann klappt es sogar, dass ich sie von ihren Kamikazesprüngen an der Leine abhalten kann. Mit einem "Nein!" oder "Jetzt nicht, komm weiter". Einmal hatte sie schon angesetzt und ungelogen: im Flug hatte sie wohl gemerkt, dass sie zu weit gegangen war. Ein Ruck ging durch ihren Körper, sie landete und kam direkt wieder zu mir. Ganz, ohne dass ich mit ins Gebüsch flog, im Dreck landete oder sie mir die Leine aus den Fingern riss.
War sie zuvor im Garten immer angeleint, weil sie ja schon unter Beweis gestellt hatte, dass sie auch dort ausbrechen konnte, so guckte sie mich jetzt an, wenn ich mit der Leine ums Eck kam und ging wieder ins Haus zurück. Mit Leine wollte sie nicht im Garten sein. Ohne Leine aber schon und selbst da war sie ansprechbar. Bisher kam noch keine Katze des Weges, denn da habe ich schon Bedenken, dass sie sich dann wieder vergisst. Aber seit heute hat sie mir gezeigt, dass sie mehr denn je meine Nähe haben will. Heute war sie dort, wo ich war. Sass ich draußen und rauchte eine, kam sie mit. Ging ich rein, kam sie mit. Sie war sogar heute das erste Mal ohne Leine im unteren Teil des Gartens und sie ist nicht abgehauen, hatte es noch nicht einmal probiert oder dazu angesetzt!
Und sie hat bewiesen, dass sie selbst draußen Feingefühl besitzen kann. Heute morgen bin ich mit solch derben Kopfschmerzen aufgewacht, wie ich es von meinen damaligen Migräneanfällen kannte. Ich schleppte mich in den Park. Auf dem Rückweg torkelte ich schon und Marie schaute mich mehrfach an und ging plötzlich an lockerer Leine neben mir! Ohne, dass ich sie auffordern musste, ohne überhaupt irgendwas zu tun, ausser unseres Weges zu torkeln. Leider hatte ich versäumt, mein Schmerzmittel rechtzeitig einzunehmen, so dass ich mich erbrach, als ich es endlich eingenommen hatte. Maries Augen wurden furchtbar gross und sie wachte tatsächlich neben meinem Bett! Den ganzen Tag liess sie mich nicht mehr aus den Augen und folgte mir an der Seite wie ein Schatten.
Sie ist derzeit so charmant und witzig, dass ich sie tatsächlich dauerknutschen könnte.
Und jetzt bin ich mal gespannt, ob sie sich nach diesen Zeilen in der Nacht wieder so resetet, dass es morgen früh wieder in altbekannter Form von Vorne losgeht?! *schief grins* Aber ich bin jetzt mal optimistisch und denke, wir sind gerade auf einem guten Weg!

