"Irgendwer... ist da draußen, der dich finden wird und dir zuflüstert:
>Lass uns loslaufen, mit dem Wind tanzen, die Vergangenheit abschütteln
und deine Träume wieder einfangen...<." (Verfasser unbekannt)
Für Marie wollte ich gerne diejenige sein, die ihr zuflüstert und gefunden haben wir uns schon längst. Na gut, das "mit dem Wind tanzen" muss ich noch ein bißchen üben, denn ich bin unterwegs wie ne adipöse Gazelle auf Glatteis. Marie kann schon tanzen... und rennen... und ihre Träume sind gefüllt von Wild, vorzugsweise Kanickel.
Aber heute war so ein schöner Tag, dass ich das gerne festhalten möchte. Ich muss gerade wieder an die Bärenglocken denken. Nach dieser Geschichte: Es war einmal... hatte ich mir tatsächlich diese Bärenglocken besorgt. Die liegen auch gut und trocken in irgendeiner Schublade. Aber das ist eine andere Geschichte.
Heute war es erneut soweit: Marie jodelte einmal auf und weg war sie. Wieder aus der Hundewiese ausgebrochen. Sie hatte erneut ein Loch gefunden (oder mal eben gebuddelt?) und ich sah sie noch auf dem Nachbargrundstück. Wieder das dieser "Grünen Schule". Dumm war, dass sie jetzt das Tor so gesichtert haben, dass ich da nicht mehr durchkomme. Zwei liebe Menschen befanden sich mit uns auf der Wiese und der hinzugerufene Mitarbeiter dieser "Grünen Schule" war super nett. Er liess nicht nur mich auf das Grundstück um meinen Hund wieder einfangen zu können, sondern ich konnte auch Spunk als Ortungssystem auf vier Beinen mitnehmen. Ich hörte Marie erneut jodeln und ich bin ihr wirklich dankbar, dass sie Spurlaut gibt. Ich sah gerade noch, wie sie hinter dem zweiten Zaun auf dem Freibadgelände Richtung Hoeschgelände rannte. Wie sie die Hürde des zweiten Zaunes genommen hat, weiss ich nicht. Drunter oder drüber?
Ich nahm meine Beine in die Hand und rannte flink wie ein überfahrenes Wiesel hinter meinem Hund her und hätte mir bald die Haxen gebrochen. Meine Güte, wie kann ein Mensch innerhalb weniger Wochen so schlapp werden, dass er noch nichteinmal 250 m spurten kann ohne zu glauben, anschließend ein Sauerstoffzelt zu benötigen?!
Ich selbst konnte den 2. Zaun aushebeln und durchhuschen. Da sah ich Marie also Richtung drittem Zaun hechten. Und mir war klar: nimmt sie diese Hürde auch, dann ist sie wech und ich habe keine Chance mehr, sie kurzfristig und gesund wieder zu bekommen. Ich hatte schonmal berichtet, dass der Zutritt zum Hoeschgelände strengstens verboten ist, weil sich dort ungesicherte, sehr tiefe Schächte befinden etc..
Ich brüllte beherzt und fast aus Reflex mein Abbruchsignal..., etwas, was ich bisher auch gut und gerne einem an mir vorbeirauschenden Zug hinterherbrüllen hätte können. Der Erfolg wäre bis dato der gleiche gewesen. Aber nicht heute - nein, heute war ein großartiger Tag. Denn, was macht mein Hund? Er stoppt! Marie hat allen Ernstes abgebrochen und drehte sich zu mir um! Hallo? Mitten in der Hatz? Ich konnte den Augenblick der Orientierung nutzen und Marie war so überrascht, dass sie sich dukte, als würde sie erwarten, dass ich mich auf sie schmeisse. Was ich natürlich nicht tat, sondern vielmehr mit einem Hinhocken reagierte, das Tempo rausnahm und ihr tatsächlich ganz leise sagte, sie möge zu mir kommen. Und was tat mein Hund? Er kam wirklich! Marie guckte mich an und und setzte sich in Bewegung. Aber nicht weiter dem Kanickel hinterher, sondern sie kam zu mir, als sei es das Natürlichste der Welt. Dopamin...? Hallo? Ich konnte sie in aller Ruhe anleinen und ich gebe es zu: ich gab ihr einen verdammt dicken Schmatzer auf die Leftze! Das war mir gerade auch mal shice egal, dass sie sich wieder mit dem gejolten "Ich bin dann mal weg!" auf den Weg machte, denn das Ergebnis zählte: ich hatte sie gesund und munter wieder bei mir und vor allem: sie hat ihre Jagd abgebrochen und ist zu mir gekommen. Für uns war das ganz großes Kino heute.
Spunk war sich des nahezu geschichtsträchtigen Augenblickes voll bewusst und markierte in einer unglaublichen Gelassenheit erst einmal das verbotene Gelände!
Nachdem wir in einer Gemeinschaftsaktion den Zaun wieder gesichtert hatten (an dieser Stelle vielen lieben Dank an meine Mitmenschen für ihre Hilfsbereitschaft!), leinte ich Marie direkt wieder ab. Und, tataaaa: sie hat die ganze Zeit punktgenau gehört. Was bitte ist mit meinem Hund geschehen?! Wie genial ist das bitte?!
Und da es morgen alles schon wieder ganz anders sein kann, genieße ich das heutige Hochgefühl einfach mal eine Runde. ;)
