TiRo

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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


Eine harte Woche liegt hinter uns...

Veröffentlicht von TiRo auf 19. Oktober 2012, 14:43pm

Kategorien: #Marie

Die Entscheidung, die Wanderung nach Cuxhaven vorerst abzusagen war wohl die richtige, denn Marie wurde krank. Richtig krank. Die verklebten Augen waren erst der Anfang. Ein paar Tage später kam Husten dazu. Doch auch das wertete ich nicht als dramatisch – sie hatte sich eben „einen aufgesackt“ und mit ein wenig Ruhe würde das schon wieder in Ordnung kommen. Kam es auch – so schien es zumindest.

Marie wirkte wieder fit und so verabredeten wir uns für eine kleine Haardwanderung. Die Wanderung war klasse und schien uns allen gut zu tun. Marie zeigte sich von ihrer besten Seite und ich mich extrem leidensfähig: runde drei Stunden ließ ich mich an der Leine durch den Wald zerren. Prima!

Tags darauf war ich selbst so eingespannt und beschäftigt, dass ich abends gar nicht viel drauf gab, dass sich Marie ein wenig zu verändern schien. Ab dem nächsten Tag hatte ich dann allerdings einen Hund, den ich nicht mehr wieder erkannte: Marie hatte regelrechte Angstattacken.

Tagsüber zeigte sie sich verhalten. Sie kasperte nicht mehr so rum, schlug nicht mehr an und wirkte alles in allem irgendwie etwas „huschig“. Aber sie fraß normal, wollte draußen den Kaninchen hinterher jagen und zog auf den Runden weiter wie ein Bulldozer. Doch je später der Tag, desto heftiger wurden ihre Verhaltensänderungen. Ich konnte fast die Uhr danach stellen, wann Marie am Nachmittag anfing zu zittern. Es steigerte sich zusehends: sie guckte sich immer wieder unsicher um, starrte Fenster und Decken an, huschte von einer in die anderen Ecke und beäugte ängstlich die Schatten an der Wand. Der Fernseher und damit die Spiegelung in den Fensterscheiben sorgten dafür, dass sie sich unter dem Wohnzimmertisch verstecken wollte. In der Nacht war es dann ganz schlimm. Es gab zwar keine Bilder und Töne mehr aus dem Fernseher, die für Marie offensichtlich grellen Farben und Lichter waren ausgeschaltet, aber die Scheinwerfer von vorbeifahrenden Autos durch das abgehängte (!) Schlafzimmerfenster reichten aus, dass sie völlig die Fassung verlor. Ich wurde davon wach, dass Marie versuchte, sich in die hinterste Ecke zu verkriechen und dabei so zitterte und schlotterte, dass ihre Krallen über das Laminat rutschten. Wenn ich das Licht einschaltete, saß sie völligst verstört und ängstlich da, zitterte wie Espenlaub und drehte die Augen nach Oben. Ganz so, als würde sie Lichtblitze sehen: sie hatte offensichtlich Halluzinationen!

Sie wollte auch nicht mehr auf ihre „Bettenburg“, denn auch dort lauerten für sie „böse Schatten“. An den drauffolgenden Morgenden war der Spuk vorbei. Marie war zwar nach wue vor immer ein wenig „huschig“ und sah richtig schlecht aus im Gesicht, aber sie verhielt sich draußen weiter als wäre nichts gewesen, fraß mit Appetit. Bis der Nachmittag kam und das Drama von Vorne begann. Und immer wieder wollte sie raus, lief zur Haustür und schien sich draußen sicherer zu fühlen als hier drinnen.

Marie suchte meine Nähe und schlotterte oder verkrümelte sich nachts ins Bad, weil sie es dort scheinbar besser aushielt.

Das sorgte dafür, dass wir wirklich alles durchspielten, was es nur an Gedanken geben kann, die dieses Verhalten nur ansatzweise erklären könnten. Wir bauten Mitten in der Nacht eine Jalousie ans Fenster, um ihr Erleichterung zu verschaffen, wir guckten im TV Naturdokus, um Lichtblitze zu vermeiden, wir ließen sämtliche abweichende Futtermittel oder Leckerchen weg, vielleicht hatte irgendwas zu Vergiftungserscheinungen geführt? Ich fand heraus, dass sie sich scheinbar sicherer und besser fühlte, wenn ich ihr den Fleecemantel überzog, wenn sie schlotterte... Wenn Marie ein Thema mit unserem Haus hier hatte, warum dann erst jetzt? War etwas auf dem Dach? Ist etwas passiert, während unserer Abwesenheit? Es veränderte sich nichts und das Drama zog sich über ein paar Tage und Nächte und ich sah mich schon mit Marie im Auto sitzen und nach München fahren, um ein anständiges MRT zu bekommen. Natürlich hab ich gedanklich den Horror durchgespielt, von möglichen Hirntumoren, über Schilddrüse, über, über, über.... Ich wachte neben meinem Hund, kam mir furchtbar hilflos vor. Marie sah völligst fertig aus und ich wusste nicht, was ich tun konnte. Ihr Verhalten passte einfach nicht zu unseren Erklärungen, die wirklich in sämtliche, nur erdenkliche Richtungen gingen.

Auf die einfachste Erklärung kam ich nicht: sie hatte Fieber und Schüttelfrost! Zumindest ist das die Erklärung, die blieb und im Nachhinein am meisten Sinn bringt. Wir werden es sicher nie mit 100 %-iger Sicherheit wissen, denn auf die Idee, Fieber zu messen kam ich zu dieser Zeit nicht. Fragt mich nicht, warum nicht. Ich war auf Erklärungs- und Verhaltenssphären unterwegs, dass ich nicht mehr auf das Einfachste kam. Hmpf!

Also, bevor Ihr glaubt, Euer Hund hat einen Hirntumor: einfach mal ein Thermometer benutzen! ;)

Seit Vorgestern geht es nun wieder stetig bergauf und der Fledermausohr-Spinnenbein-Hund ist wieder da! Sie ist weitestgehend wieder die Alte und ich bin so erleichtert!

 

Wasser            Quelle: Facebook

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