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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


"Der Podenco ist wie der Galgo eine andere Art Hund."

Veröffentlicht von TiRo auf 27. Februar 2013, 21:36pm

Kategorien: #Marie

 

„Was hat uns eigentlich geritten, dass wir zwei so durchgeknallte Hunde bei uns einziehen lassen haben?“ „Und wer wollte eigentlich unbedingt diesen schwarzen Fledermausohr-Spinnenbein-Hund?“ „Du?“ „Ach so, ja, das war ich.“

 

Diplom-I.JPG

 

Gestern bin ich mal wieder im Internet hängen geblieben und über eine Seite gestolpert, die da „Podencorosa“ heisst. In deren Infotext las ich folgendes:

 

„[...]Der Podenco ist wie der Galgo eine andere Art Hund. 
Letztendlich ist auch er ein Hund...ja....aber er wird immer anders reagieren, als sie es auf grund ihrer Erfahrungen vielleicht denken. Der Podenco ist nicht nur ein südeuropäischer Laufhund und deshalb wenig mit unseren deutschen Hunderasssen zu vergleichen, er ist ein Jäger und war meist auch zuvor in den Diensten eines solchen Mannes. Vielleicht hat er Menschen noch nie liebenswert und fürsorglich erlebt....ja....auch anderen Hunderassen geht es so z.B. in Spanien, aber er ist noch eine Stufe sensibler und größtenteils scheu.
[...]

 Der Podenco liegt in ihrer Wohnung- im Normalfall- faul wie eine Katze auf dem Sofa. Hat er Vertrauen, so läßt er sich den ganzen Tag kraulen und zeigt sich als der größte Schmuser unter dieser Sonne. Vielleicht folgt er ihnen auf Schritt und Tritt, fährt gern Auto und wenn er nicht sonderlich ängstlich ist, können sie ihn überall mit hinnehmen. 

Aber lassen sie ihn von der Leine und er sichtet eine Beute, dann ist alles vergessen, was er bisher gelernt hat.
Er kennt sie nicht mehr und legt los. Rufen sie ihn, pfeifen sie, werfen sie die Leine oder sonstwas.....er wird sie nicht mehr wahrnehmen. 
Nur mit stundenlanger Geduld und viel Glück kommt er zu ihnen zurück.[...]“ Quelle: Podencorosa e.V.

 

Und ich hab jetzt auch noch ne Mischung aus Podenco und Galgo... Hallelulja! Aber ja, es ist so: der Podenco und der Galgo sind „andere“ Hunde – nicht nur der Bullterrier, der noch mal anders anders ist (ich winke mal zu Claudia R. rüber *ruder*).

Auch Marie ist eine große Schmuserin, hat längst die weichen Plätze im Haus erobert. Sie macht es sich gerne mal bequem, aber faul wie eine Katze ist sie nicht. Im Gegenteil ist sie stets und ständig bereit, unser Haus und Hof mit allem was sie hat zu verteidigen. Da verwandelt sie sich zur Hyäne, wird zum Pastor Mallorquin und ihre Stimme verwandelt sich zu der eines Molossers.

Bis auf einmal, da hätte sie eigentlich allen Grund gehabt aufzuspringen und die Wildsau raushängen zu lassen: unbekannte Geräusche im Haus, es raschelt und knackt vor unserer Tür und als diese aufging und ich sie losschicken wollte zum Aufpassen, ist sie mir glatt auf den Schoss gesprungen und meinte, sie gäbe jetzt gerade mal gerne den Job ab! *schallend lach*

Nix ist selbstverständlich bei einem Hund wie Marie. Wir spielen uns weiter ein und als Marie vorgestern das erste Mal bei mir nachgefragt hat, ob wir diesen einen Weg einschlagen und zur Hundewiese gehen, da war das ganz großes Kino für mich! Das erste Mal, dass sie sich gleich zwei Mal zu mir umdrehte, stehen blieb und mich offen anguckte. Ein Durchbruch – ich hab einen weiteren Fuss in die Tür zu ihrem Herzen bekommen!

Eigentlich – wenn ich ehrlich bin – dann hatte ich damit schon viel früher gerechnet. Vielleicht ein wenig großspurig von mir. Kam aber nicht eher.... Es ist tatsächlich so, zwei Persönlichkeiten in einem Hund: drinnen ist nicht so wie draußen.

Und manchmal vergesse ich es, dass wir nicht schon seit 20 Jahren zusammen leben. Genau genommen ist es noch nicht einmal ein Jahr! Unglaublich: vor einem dreiviertel Jahr wurde sie wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben eingeladen, ein Haus zu betreten (und nicht nur schnell und heimlich den Müll davor zu durchsuchen)! Ich hab keine Ahnung, was in ihrem „vorherigen“ Leben war – genau genommen interessiert es mich auch nicht wirklich, denn zum einen kann ich es nicht mehr ändern und zum anderen zählt ja das „Jetzt“. Aber ich weiss noch, wie sie furchtbar große Augen bekam und sich zunächst gar nicht herein traute. Da kam niemand, der sie vertreiben wollte, sondern der sie vielmehr aufforderte, rein zu kommen. Einmal die Schwelle überschritten war das Leben spannend: Mülleimer im Haus sind noch mal um einiges spannender als vor dem Haus und Kaffee aus meinem Becher schmeckte auch prima. J

Und wenn ich jetzt diesen Hund anschaue, wie er tiefenentspannt neben mir pennt, dann ist es nahezu unglaublich, dass sie vor noch nicht allzu langer Zeit in Panik geriet, wenn ich das Licht aus geschaltet habe. Da hockte sie dann zitternd unter und hinter dem Schreibtisch –also pennte ich eben mit eingeschaltetem Licht.

„Blitze“ findet sie nach wie vor gruselig, aber mittlerweile kann der Fernseher laufen, ohne dass sie sich ängstlich unter dem Wohnzimmertisch verkriechen möchte.

Aber ist ja auch kein Wunder: draussen verfügt sie über diverse Überlebensstrategien. Sie weiss, dass sie bei Regen unter Mauervorsprüngen wie an Hauseingängen oder Kellerfenster Schutz finden kann. Sie weiss, wie sie sich bewegen muss, um sich zu duken, auszuweichen oder Kontakt zu finden. Draussen ist sie sicher. Anfangs staunte sie noch und lief mit dem Blick an den Häuserwänden hoch gerichtet staunend durch die Straßen, zeigte Mülleimer an. Heute macht sie es nicht mehr, es ist selbstverständlich geworden und Mülleimer besitzen keine magische Anziehungskraft mehr. Im Haus musste sie erst lernen, dass der Himmel nicht runterkommt, dass Blitze ihr nicht wehtun, dass sie keinen Schutz suchen muss, wenn der Regen gegen die Fenster klatscht, und dass Spiegelbilder ihr das Spielzeug nicht wegnehmen. J

Unser Apportier- und Reizangeltraining läuft auch prima. Sie ist noch schneller und noch wendiger geworden (sofern das überhaupt geht?!). Sie hat es tatsächlich geschafft und ihr erstes Kaninchen geholt. Hmpf! Tolle Reizangelausbildung – Reizangeltraining mal anders quasi! *lach* Nee, aber ab davon ist sie tatsächlich mit vollem Eifer dabei und wenn ich die Reizangel raushole, dann interessiert sie das Drumherum nicht mehr. Immerhin jagen wir so jetzt ein bisschen zusammen und sind schon so weit, dass ihr blindes Hetzen zu nichts führt und sie tatsächlich auch mal verharrt und mit Ruhe und „Bedacht“ ran geht – sie hat sogar schon nach mir geschaut, um das Kommando zu erhaschen und zu gucken, was ich jetzt tue! Ich könnte sie knutschen! Ich bilde mir allerdings nicht ein, dass ich mit diesem Fell an der Angel so viel Anziehungskraft und Kontrolle besitze, dass es auch ausserhalb des eingezäunten Grundstücks so konzentriert zur Sache geht. ;)

Aber das macht nix... Und wenn meine Nerven wieder Tango tanzen und ich denke, ich brauche ein künstliches Schultergelenk, dann rufe ich mir ins Gedächtnis zurück, was Marie eigentlich alles schon gelernt und gemeistert hat, in der verhältnismässig kurzen Zeit. Und da geht noch was – sehr viel sogar!

 

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