....und man einfach nur noch zermürbt im Eck rumhängt, dann würde ein Arzt aus vergangenen Tagen eine “neurotische Erschöpfungsdepression” diagnostizieren, ein Arzt aus der heutigen Zeit sicherlich das “Burnout” und Alltags-Hobbypsychologen meinen, man sei aber so depressiv... Ich sage: "Fuck off, ich bin so müde!"
“Einfach leben...
Genießen, was ich habe...
Zufrieden sein, glücklich sein.
Stärken spüren und Grenzen akzeptieren.
Loslassen, was quält. Annehmen was hilft.
Weitergeben, was stärkt und einfach leben!
Da sein und ich sein...” (Zitatekoch)
Jo...., schön, jeder will das ... und dieses Zitat bekommt meine Nominierung für den grössten Bullshit des Tages!
Auf der einen Seite soll man genügsam sein und sich an dem erfreuen, was man hat. An den ganzen “Eigentlich” und “Manchmal”?! Da rackern wir uns den Hintern auf, um eigentlich und manchmal Kleinigkeiten zu geniessen? Kleinigkeiten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wenn sie uns wichtig sind?! Komische Welt...
Wenn ich aber nun genau das nicht möchte? Wenn ich mehr haben möchte? Ist es nicht vielmehr dramatisch, dass wir uns mit genau diesem zufrieden geben, statt nach mehr davon zu streben?!
Und wir tun alles dafür, dass wir uns immer weiter von dem entfernen?!
Na gut..., ich zumindest. Da erzähle ich immer wieder, dass ich eigentlich von einem Leben voller Bücher, lesen und schreiben träume..., von Wanderungen mit meinen Hunden, von Stille und Abgeschiedenheit. Und was tue ich? Verstricke mich immer mehr in beruflichen Geschichten und statt es mal gut sein zu lassen, studierte ich auch noch nebenbei Psychologie. Meine Hunde laufen mir aus dem Ruder, meine Nachbarn nerven mich und ich komme gerade mal gepflegt zu gar nichts mehr! Ende im Gelände, Schluss mit lustig!
Letztens habe ich mich in Bescheidenheit geübt. Ich sass draußen auf der Terrasse, meine Haare wurden mir geschnitten. Meine Frisörin meinte, dass es ihr sehr leid täte, dass sie ein ganzes Stück abschneiden müsse, weil meine Haare leider sehr kaputt seien. Ich erwiderte nur: “Hey, es sind nur Haare, ist doch egal, schneid sie halt ab. Es sind nur Haare, die wachsen doch wieder - ich hätte auch Krebs haben können!” Ja Hallo, da hatte ich was gesagt! Ich wollte bescheiden und dankbar sein, dass nur meine Haare abgeschnitten werden, meine Frisörin fand das gerade mal weder dankbar noch bescheiden, sondern völlig daneben!
Gerade muss ich an mein Post “Leben rückwärts” denken, in dem ich mir die Frage stellte, warum es eigentlich so schwer ist, so zu leben, wie man eigentlich möchte? Ich habe darauf keine Antwort und bin mir auch nicht sicher, ob ich jemals eine finden werde. “Ohne Arme, keine Kekse” - heisst hier soviel: ich muss schon ein wenig Geld verdienen, um so leben zu können, wie ich es gerne würde. Aber ich habe keine Lust mehr, mich ständig von diesen offensichtlichen Sperren bremsen zu lassen. Ich erkämpfe mir jetzt wieder ein wenig mehr Freiraum.
In ein paar Tagen wechsle ich meinen Job. Seit vier Tagen steht für mich fest, dass ich das Studium abbrechen werde (dieses Mal wirklich). Wieviele Berufsabschlüsse wollte ich denn noch haben?! Ich habe die letzten zwei Jahre nichts anderes getan, als gearbeitet und gelernt. Und somit alles getan, um mich von den Dingen, die mir wirklich wichtig sind, immer weiter zu entfernen. Reicht jetzt auch mal oder?!
Zum Schreiben kam ich gar nicht mehr. Mein Kopf hatte keine Kapazitäten mehr für Hirnakrobatik und wenn ich es versucht habe, dann waren meine Hauptakteure spätestens schon auf der vierten Seite tot. Ermordet... Hm..., so wird das nix. Vielleicht schaffe ich es ja mal, sie demnächst länger leben zu lassen...?
Wusstet Ihr übrigens, dass Stephen King mit Kurzgeschichten angefangen hatte? Immer, wenn eines seiner Kinder krank war, nötigte ihn seine Frau zu schreiben und “Monster zu erschaffen”, damit er die Geschichte verkaufen und die Kinder Medikamente bekommen konnten. Ich selbst bin jetzt kein Stephen King - Fan. Wenngleich natürlich “Misery” und “Shining” legendär waren, gab es nur ein Buch, was mich wirklich kekste. Und das war “Das Spiel”. Aber letztens lief im TV eine Reportage über ihn, sein Leben. Und die wiederum fand ich interessant!
Dank diesem Autor weiss ich jetzt auch, warum mein Hund nachts immernoch ihre Eulen-Notlampe braucht: das Licht hält die bösen Geister in der Nacht draussen! Ha..., Rätsel gelöst, Lampe brennt.
Nahezu rebellisch legte ich mich gerade mitten am Tag aufs Bett, wollte endlich das umsetzen, von dem ich die ganze Zeit schreibe: ich wollte lesen. Nach drei Seiten schlief ich tatsächlich ein! Nicht etwa, weil das Buch jetzt gerade mal sowas von lang und wellig war, sondern vielmehr, weil ich zu erschöpft war. So geht das doch auch nicht.
Wie gesagt: ich erkämpfe mir meine Freiräume zurück und selbst, wenn ich dadurch immernoch nicht in einem kleinen alleinstehenden Haus mit Garten wohne, ohne Nachbarn, dafür mit viel Grün drumherum, sich dadurch meine Hunde immernoch nicht besser benehmen, so schaffe ich mir wieder mehr davon.
Um Dinge zu tun, die mir wichtig sind. Um mehr von dem zu bekommen, was eigentlich manchmal fehlt.