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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


Marie II

Veröffentlicht von TiRo auf 20. Juni 2013, 22:30pm

Kategorien: #Marie

 

MariePrey

 

Na ja, eigentlich hatte ich ja gesagt, dass ich nicht mehr versuchen würde, jemandem Maries Jagdverhalten erklären zu wollen, aber wer mich kennt, der weiss, dass ich schon so einiges gesehen und gemacht habe: aber Marie toppt alles bisher erlebte und gesehene – ohne Übertreibung!


Gestern nun also, an diesem ehrwürdigen-merkwürdigen Tag haben wir uns mal wieder gestritten. Ich fand es für meine Verhältnisse heftig, Marie irgendwie nicht so. Als wir in den Tag starteten, hatte ich ernsthaft Schwierigkeiten. Ich hatte zwar auch Kopfschmerzen, aber was mir viel mehr zu schaffen machte war, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte Ausfälle beim Gucken, konnte nichts mehr mit dem Blick fixieren und sah entweder ein schwarzes Feld oder alles verschwommen. Aber nützt ja alles nix: die Hunde müssen raus. Als wir losgingen, trafen wir die einen oder anderen Bekannten, die mich ihrerseits musterten und bestimmt dachten, ich hätte Drogen konsumiert. Nicht besonders stabil und kaum was sehend, wollte ich mir aber nichts anmerken lassen und schnurstracks zur Hundewiese gehen so gut es ging. Diesen Morgen war ich also nicht mehr ganz so leidensfähig, was das Zerren meines Hundes anging.

Es ist ja nun nicht so, als hätten wir in dem Jahr nichts gemacht und ich alles still erduldet. Nur führte nix in dem Jahr zum erwünschten Erfolg: weder die nette Tour (die machte Marie nur noch ungeduldiger, nerviger und nervöser), noch die Tour mit dem Zurückzerren oder auch Anschnauzen („So reden wir aber auch nicht miteinander!“). Es krachte schon immer mal wieder und dann lief es zwischen uns, aber lange hielt es nicht an und vom geschmeidigen Miteinander-Gehen waren wir außerhalb von Straßenzügen noch weit entfernt. Warten kann sie hingegen gut. Wenn ich stehen bleibe, dann bleibt auch sie stehen. Wenn ich quatsche, setzt sie sich geduldig neben mich. Wenn es mal länger dauert, dann bekommt sie zwar kein „Snickers“ für mich organisiert, aber sie legt sich sogar zu meinen Füssen hin. Dieser Hibbelhintern kann also auch anders! Und wenn man uns außerhalb von Grünflächen trifft, dann wirken wir schon wie ein eingespieltes Team. Unglaublich, wie der Hund die Stadt meistert und durch ihr Ghetto wippt!

Aber zurück: irgendwie meisterten wir die Morgenrunde also dennoch und ich bewältigte auch mehr oder weniger meinen Arbeitstag. Mein Sehen besserte sich irgendwann wieder und war schließlich normal und die Kopfschmerzen bekam ich Dank der Tablette meiner Kollegin auch auf ein erträgliches Maß.

Als Marie sich an diesem Abend aber aufführte, wie eine wildgewordene Ebersbraut und sie mir vor lauter „was weiss ich“ meine rechte Wade quetschte, war es dann auch mal vorbei mit meiner Leidensfähigkeit. Da stritten wir uns. Und irgendwie hatte das was von einer Mischung aus Ringkampf, Thaiboxen und Walzer? Marie war so bekloppt und voll in ihrem Rausch, dass sie trotz kurzer Leine nicht auf einer Seite neben mir laufen konnte. Immer wieder wechselte sie von links nach rechts, schräg durch..., ich weiss gar nicht, wie sie das geschafft hat, ohne sich selbst zu strangulieren. Aber nicht nur ich hatte mich als leidensfähig erwiesen, mein Hund wohl auch?! Jedenfalls war ich irgendwann mit meiner Kraft am Ende und konnte sie kaum mehr festhalten. Ich stoppte sie einmal, indem ich mein eines Bein beherzt um ihre Brust schlang (ja, das ist schon bald Körperkunst der anderen Art) und sie somit in der Bewegung nach Vorne ausbremste. Sie drehte immer weiter auf, die Leine quetschte sich auch noch um meinen rechten Unterschenkel (der blaue Fleck ist schon satt eingefärbt heute). Ich hatte derweilen die Pappe auf und aus der Bewegung heraus, bekam sie gezielt mein linkes Knie gegen ihre rechte Schulter, während mein linkes Schienbein sie wieder in die Ausgangsposition zurück schob und somit zum Geradeauslaufen nötigte. Uhi..., ich weiss jetzt nicht, ob das gekonnt oder grob aussah? Der Erfolg hielt nicht lange an und sonderlich beeindruckt war sie auch nicht. Im Gegenteil: Marie drehte richtig auf und zog mich fast von den Füssen. Jetzt konnte ich nicht mehr geradeaus laufen und meine Leidensfähigkeit hatte nach all der Zeit und nach diesem Tag den Endpunkt erreicht. Mit einer wohl noch nie zuvor bei diesem Hund da gewesenen Authentizität meinerseits (die man kurz vor dem Durchknallen unweigerlich erhält),  griff ich mit der linken Hand beherzt und wenig nachdenkend in ihr Geschirr, hob diesen Hund auf meine Augenhöhe (ja, da wäre selbst ein „Hulk“ ins Staunen geraten!), guckte sie an, trug sie ein Stück des Weges wie einen Koffer und fragte sie, ob es wohl noch ginge mit ihr. Mein Gesichtsausdruck zeigte nonverbal eher die Worte: „Noch einen Schritt weiter und ich klatsche Dich um!“. Meine Güte: nach rund einem Jahr kann ich doch mal erwarten, dass es ein wenig gesitteter läuft und unsere Übungen endlich mal fruchten und sitzen?! Noch während ich dachte, dass dieser Hund nun bestimmt komplett dicht macht und ich mir meinen Fuß in ihrer Tür zerquetscht habe, liess ich sie wieder auf den Boden zurück, guckte meine Bekannte an und meinte: „Uff, die ist echt anstrengend heute!“. Jo....., und was macht mein Hund? Setzt sich erst mal hin und guckt. Und während ich mir Gedanken mache, was ich gerade alles mit meiner Aktion versaut haben könnte, schaut mich genau dieser Hund auf dem Heimweg auffordernd und lachend an, was wir denn jetzt wohl GEMEINSAM Schönes machen könnten?! Sie tanzte neben mir, forderte mich auf, kasperte rum und irgendwie hatte sie eine neue Tür geöffnet. Sie nahm mich wahr?! Das war kein unterwürfiges Eingeschleime oder ein „mit Dir rede ich nicht mehr“-Ignorieren, sondern ein offener Blick mit erhobener Rute und ich schwöre: sie hat gelacht!

Gut, heute hab ich Schwierigkeiten mit meinem linken Arm, von dem ich gar nicht wusste, dass er fast 20 kg alleine heben kann. Und ich habe gedacht, dass die Tür von gestern heute bestimmt wieder verschlossen bleibt. Aber: nee, dieser Hund ist mir gegenüber absolut entspannt, hat mich noch nie zuvor so oft und vor allem lange angeschaut und angelacht auf einem Spaziergang wie heute. Sie orientiert sich und sucht Kontakt zu mir. Auf eine so charmante und offene Art, dass mir selbst ganz leicht wird und wir zusammen lachen und rumalbern.

 

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