Wenn man das Leben rückwärts leben könnte... was dann?! Was würde im "Hier und Jetzt" anders sein?
Wenn man eine Ausbildung zur Trauerbegleitung macht, dann ist es sicherlich nicht ungewöhnlich, sich mit Nachrufen zu beschäftigen oder vor die Aufgabe gestellt zu werden, zu Übungszwecken schon zu Lebzeiten selbst den eigenen Nachruf zu verfassen. Ich selbst mache keine Trauerbegleitung, bin aber über das Buch "Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben" gestossen. Die Autorin hat Sterbende besucht und sie interviewt. Es ist kein Buch, welches ich "in einem durch" lesen kann. Vielmehr nehme ich es immer mal wieder in die Hand und lese den einen oder anderen Nachruf. Und bin überrascht, dass es oft ganz banale Dinge sind. Scheinbar banal.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich würde hier und jetzt meinen Nachruf schreiben - was würde da wohl drin stehen? Als erstes sicherlich, dass ich die letzten drei Tage soviele leckere Erdbeeren gegessen habe, wie schon lange nicht mehr. Und dass sie dem nahe kamen, wie ich sie in Erinnerung hatte. Irgendwer hatte mal gesagt, dass man als Kind die leckersten Erdbeeren gegessen hätte und diesen Geschmack auch als Erwachsener immer suchen würde. Er würde aber nie wieder so intensiv und süss zurück kommen, wie in der Erinnerung. Hm..., ich fand diese Erdbeeren extrem lecker, süss und intensiv. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob der Geschmack jetzt dem aus der Kindheit nahe kam oder vielleicht sogar genauso war. Scheinbar banal..., aber eigentlich auch nicht. Immerhin waren sie extrem lecker und es machte Spaß, sie auf dem Land und einmal sogar in einem Hofladen zu kaufen. Immer wieder zwischendurch eine zu essen. Ohne sie abzuwaschen, das ist fast schon ein bißchen rebellisch! ;)
Wenn ich mir vorstelle, ich würde jetzt meinen Nachruf schreiben... Welchen Blick hätte ich auf die jetzigen Entscheidungen, Probleme und Alltäglichkeiten? Würde ich mir wirklich so viele Sorgen machen wollen? Wenn ich mir vorstelle, ich würde am Ende meines Lebens stehen, dann möchte ich zu meinen Entscheidungen stehen können, sie nicht bereuen wollen und schon gar nicht soviel Zeit mit Dingen verbringen wollen, die eh ins Aus führen oder mir nicht gut tun. Ich würde schneller meine Konsequenzen ziehen und diese prompt umsetzen wollen und nicht in einer Gedanken- und / oder Zeitschleife festhängen wollen.
Fragen wie "Wenn morgen Dein letzter Tag wäre, was würdest Du tun wollen?" mag ich nicht. Finde ich dämlich. Ich habe da auch keine Antwort drauf... Wenn ich aber gefragt werden würde, was ich jetzt gerade gerne tun würde und dieses in meinem Nachruf als eine gute Geschichte erwähnen würde, dann würde ich:
mir jetzt schon meinen kleinen dicken Labrador kaufen,
mir meine Hunde schnappen, ein paar Klamotten einpacken
meine Eltern auf dem Weg abholen
an die See fahren und dort ein paar Tage / Wochen bleiben.
Anschließend käme ich zurück:
packe meinen Mann ein
und fahre wieder an die See.
Oder zusammen mit ihm und den Hunden quer durch die Lande.
Wir würden wieder kommen,
uns ein Haus mit Garten (nur Rasen, Büffelgras und einem hohen Zaun drum herum!) kaufen.
Ich würde schreiben und Ditze würde mit Laufen Geld verdienen.
Vielleicht würde ich sowas tolles wie "Zwitschernde Fische" schreiben
oder mit Stephan Harbort zusammen Serientäter interviewen
und dieses dann nieder schreiben.
Ich würde den kleinen dicken Labrador ausbilden
und mit ihm als Kollege im Hospitz arbeiten.
Mir fallen so viele tolle Sachen ein..., aber bestimmt würde ich mich nicht weiter mit dem Gedanken quälen, dass ich aber am Montag wieder arbeiten gehen muss. Warum ist es also so schwer, so zu leben, wie man es gerne täte?
Statt los zu laufen und all das umzusetzen, sitze ich hier, mache mir Sorgen, Gedanken, stelle mir Fragen. Aber wenigstens habe ich heute das Wetter genossen, weitere Erdbeeren gegessen und habe heraus gefunden, dass es wirklich zwei Teile von "Don Quijote" gibt. Und ich freue mich darauf, sie zu lesen. ;)
Und ich freue mich darauf, dass es gleich einen Zombiefilm im TV zu sehen gibt...