Heute war ein solch schräger Tag, das glaubt mir wieder kein Mensch! Aber gleichzeitig passt es so wunderbar in meinen Lebenslauf..., es hätte genauso gut Montag sein können oder Freitag, der 13. oder noch besser: Montag, der 13.!
Morgens um 6.oo Uhr klingelte der Wecker und ich perlte mich mehr als zerknittert aus dem Bett. Ich gebe es zu: das grenzt schon irgendwie an Körperverletzung, so früh raus zu müssen. Nachdem die Hunde gelüftet waren, machte ich mich pünktlich auf den Weg zur Uni. Auf dem regulären Weg dorthin, biege ich an einer Kreuzung (ach!) stets links ab. Da dort heute aber die Autos schon an der Ampel standen, hielt ich mich für besonders schlau, fuhr auf den rechten Streifen und dachte noch so, dass ich da mal eben ganz locker dran vorbei fahre, um dann die nächste Kreuzung zu nehmen, statt mich in die Schlange zu stellen. Jo, gesagt, getan. Die Ampel hatte allerdings in dem Moment schon auf Kirschgelb umgeschaltet, als ich sie passierte. Und ehe ich mich versah, hatte ich natürlich einen Polizisten auf dem Motorrad hinter mir. Kann mir mal jemand sagen, wo der so plötzlich herkam?! Während ich wiederum an der drauffolgenden Ampel stand, dachte ich noch, dass ich Glück gehabt hätte. Gerade, dass ich gesittet abbog und weiterfuhr, überholte mich der nette Herr sachließlich doch und bat mich, ihm zu folgen. Datt wären jetzt locker 90 Euro, ne Anzeige und drei Punkte in Flensburg gewesen. Doch der Polizist schaute mich an, schaute noch länger auf meinen Führerschein (da war ich noch jung und knackig, derweilen im Reallife nur noch "und") und ich glaube, ich hab einen ziemlich mitleiderregenden Eindruck gemacht und er sagte mir auch, dass er mich nicht für eine Fahrerin hält, die es drauf ankommen lässt, bei Rot über die Straße zu fahren. Er hätte gesehen, dass ich noch nicht einmal beschleunigt hätte und er schon den Eindruck hatte, als wäre ich einfach unachtsam gewesen und hätte die rote Ampel nicht wirklich wahrgenommen. Er muss irgendwo gestanden haben vorher - vllt auf dem Bürgersteig? Ich nuschelte etwas von "Das war auch nicht beabsichtigt, ehrlich und das ist mir ja noch nie passiert (öhöm)." und später "Ich hab meinen Kaffeepegel noch nicht ausreichend aufgefüllt"... Jedenfalls war er dann so nett und ich musste "lediglich" ein Bußgeld bezahlen und er hat vom weiteren Prozedere abgesehen. Uff, Glück gehabt! Nachdem wir beide noch lachen mussten, weil wir mit der Quittung durcheinander kamen, ging es also weiter Richtung Uni und ich war froh darüber, dass ich mit einem blauen Auge davon gekommen bin.
An der Uni angekommen, wunderte ich mich zwar, dass das Auto meiner Kommilitonin noch nicht da war, dachte mir aber weiter nichts dabei und holte mir erst einmal einen weiteren Kaffee aus der Cafeteria ran. Pünktlich um 8.30 Uhr stand ich an der Tür von dem Raum, wo ich die Vorlesung hab. Einsam... alleine.... keiner war da.... keine Kommilitonen.... noch nicht einmal der Dozent. Und während ich noch dachte, dass ich doch noch auf dem Plan nachgeschaut hatte, dass es auch nicht ausfällt, beschlich mich da so ein Gedanke... Und richtig: die Vorlesung beginnt am Mittwoch stets erst um 10.15 Uhr für mich! Ja nee, ist klar! Ich bin schon so verpeilt, dass ich zwei Stunden zu früh zur Uni fahre!!! Da stand ich dann da mit wirrem Haar und wunderte mich darüber, wie blöd ich sein kann. Aber was macht die gewissenhafte Studentin? Richtig: sie geht erstmal eine Zigarette rauchen und schreibt ihrer Kommilitonin ne sms, ob sie ganz evtl. vielleicht, möglicherweise auch was früher an der Uni sein würde. Nachdem zunächst keine Antwort kam (klar, eigentlich hätte man auch gut und gerne noch im Bett liegen können), ging ich in die Bibliothek. Irgendwie musste ich jetzt wenigstens versuchen, was sinnvolles zu machen. Literaturrecherche für die Bachelorarbeit - klang wichtig! Nachdem ich nen paar Bücher abgriff, kam tatsächlich meine Kommilitonin ums Eck und ich hätte sie knutschen können! Und da man es nun auch nicht übertreiben sollte mit der Suche nach Sozialen Phobien bei Menschen und dem Umgang mit eben diesen, stiefelten wir also rüber ... zur Cafeteria - lange nicht mehr da gewesen, aber ein weiterer Kaffee musste drin sein!
Und als wir pünktlich zur Vorlesung erschienen, war es die reinste Körperbeherrschung, dass ich mich nicht gleich übergab. Eine andere Kommilitonin ist die Nacht irgendwie in den Knoblauchtopf gefallen und stank so penetrant, dass ich kurzerhand die Tür aufriss und mich fragte, ob ich nicht besser nach Hause fahren sollte.... Irgendwie schafften wir es dann aber doch, bis zur Mittagspause durchzuhalten.
Meine Kommilitonin hatte von dem einen Dozenten, bei dem wir eine Hausarbeit geschrieben hatten, eine eMail bekommen, sie möge zur Besprechung ihrer Arbeit kommen. Komischer Weise hatte ich diese Mail nicht bekommen, was uns in alle Richtungen spekulieren liess. Und während sie sowas von nervös war, weil das eigentlich nicht so "gehandhabt" wird und sich der leicht profilierungssüchtige Dozent eigene Regeln macht, stellte ich mir die Frage, warum ich nichts von dem Dozenten hörte. Da ich ihr eh seelischen Beistand gab und sie zum Termin begleitete, nutzte ich direkt die Chance, den Dozenten abzugreifen und ihn darauf anzusprechen. War ja klar, dass er sich keiner Schuld bewusst war und meinte, dass das gar nicht sein könne, er würde allen Studenten eine Mail schicken und bestimmt wäre mein Postfach voll gewesen. Jaaaaa, klaaaaaaaaaar - Postfach voll, wenn man Outlook nutzt, ne?! Immer die kleinen dummen Studenten... Beim Nachschauen stellte sich dann heraus, dass er mir schlicht keine Mail geschickt hatte und er mich vergessen hat. Ja, guck mal einer an! Na ja, und wenn ich schonmal da bin, schlug ich ihm vor, dass wir dann ja auch direkt besprechen können. Ich gebe es zu: mit dem einen oder anderen Kritikpunkt hatte er Recht, aber wie war das: "Wenn ich still werde, dann wird´s gefährlich!" und ich wurde still - sehr still! Und gerade, dass er am Ende meiner Arbeit ankam und sich nochmal richtig ereifern wollte, teilte ich ihm mit, dass er den Absatz nicht richtig gelesen habe, denn das was er sagt, steht dort schlicht nicht und es erklärt sich von selbst. Er las noch einmal, gab mir Recht, dass er das falsch gelesen hat und dieser Kritikpunkt gestrichen wird, da es nicht an dem ist, was er sagte. Guck mal an: gleich zwei Fehler... und das bei einer Studentin..., bei meiner Wenigkeit nämlich. Auch wenn ich wie gesagt einige Kritikpunkte annehme und ihm zustimme, stellt sich mir aber schon die Frage, wie aufmerksam er eigentlich generell bei meiner Arbeit war?! Ich zuckte irgendwann nur noch mit den Achseln und dachte: "Du Ar***!" und während er noch was sagte von wegen, nach Noten würde später doch eh keiner mehr fragen und sich mein Blick wohl so verfinsterte, dass er noch stammelte, dass die Arbeit doch eigentlich gut sei, aber ich eben nachlässig gewesen wäre....., verliess ich den Raum. Irgendwie musste er ja nun sein Gesicht wahren und meinte noch, ich solle mal darüber nachdenken, was er mir an Kritik gegeben hat. Er kann von Glück reden, dass ich heute schon eine Begegnung mit der Polizei hatte, sonst wäre ich evtl. schwach geworden und hätte ihm den Stuhl noch durch´s Gesicht gezogen - damit sich die Gesichtsrekonstruktion bei ihm auch so richtig lohnt, gell?!
Wieder bei der eigentlichen Vorlesung angekommen, war wiederum der Dozent nun verschollen... Eigentlich wollte er sich nur auf die Suche nach den Stundenten begeben, die noch nicht vom praktischen Teil zurück waren. Ist ja klar: diejenigen, die am lautesten brüllen, dass sie pünktlich raus wollen, erscheinen dann nicht pünktlich zur Auswertung und bremsen die ganze Gruppe aus. Ich fing schon an mir Sorgen um den Dozenten zu machen.... ich meine: hej, es wäre ja nicht der erste Mensch in meinem Leben, der mitten im Verfahren stirbt (ich denke da an meinen ehemaligen Anwalt, den genau dieses Schicksal während meines Verfahrens getroffen hat). Aber er kam dann doch noch und wir konnten den Rest des Tages durchziehen. Vom Knoblauchgestank mal abgesehen, war das dann auch ganz geschmeidig.
Aber für heute hab ich echt die Nase voll...!