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[Buch] Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling

Veröffentlicht von TiRo auf 21. April 2015, 10:25am

Kategorien: #Bücher

[Buch] Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling

Hape Kerkeling stellt mich mit seiner Autobiografie "Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich" vor die Frage:

Wie rezensiert man eigentlich eine Autobiografie?

Es ist doch völlig anmaßend, hier bestimmen zu wollen, was "gut", "geht so" oder "geht gar nicht" ist?!

Und solche Sätze wie: "Och, das kenn' ich." oder "Da haben wir doch alle unser Päckchen im Leben zu tragen." oder gar "Himmel, wer hätte das gedacht?!" sind für mich genauso fehlplatziert wie "Na ja, jetzt mal ehrlich: da hätte ich aber was mehr erwartet!".

Ach, was soll's! Ich schreibe meine Eindrücke einfach geradewegs heraus. Schließlich bin ich kein renommierter Buchkritiker, sondern vielmehr ich selbst.

Ich mag Hape Kerkeling, er ist einer der wenigen Menschen im Showbusiness, welche das richtige Maß finden. Sowohl mit seiner Präsenz als auch mit den Pausen von eben dieser.

Ein solches Buch zu schreiben, kostet wesentlich mehr Mühe, Zeit und vor allem Nerven, als es in zwei Tagen durchzulesen. Und wieviel gibt man von sich tatsächlich preis? Klar, solche Dinge, die man ansonsten nicht so frei herausposaunt und fröhlich mitteilt, weil sie einfach zu privat sind. Damit schon mehr als sonst. Aber mal ehrlich: ich muss ja nicht vor dem letzten möglichen Vollpfosten der breiten Öffentlichkeit einen totalen Seelenstriptease hinlegen. Bestimmte Angelegenheiten behält man dann doch lieber in den Kammern seines Hirns für sich und bespricht sie mit selbst ausgesuchten Menschen des eigenen Vertrauens. Gemessen daran, ist Hape Kerkeling hier schon sehr weit gegangen. Und hat somit - nach eigener Aussage - einen ganz langen Schlusssatz zu seiner Kindheit geschrieben.

Hape Kerkeling schreibt über seine Kindheit auf eine - die meiste Zeit - sehr humorvolle Art und Weise. Aufgewachsen im Ruhrpott im Kreise seiner Familie, sind es insbesondere die Grossmütter und Tanten, die ihn sehr geprägt haben. So wie er sie beschreibt, bekommt man als Leser direkt ein Bild vor Augen. Mal schillernd schrill, mal unglaublich stark und ja, auch mal leise und weise. Aus jeder Zeile lässt sich Hape Kerkeling herauslesen. Man kann seine Persönlichkeit auch oder gerade beim Schreiben eben nicht leugnen.

Doch es wird ab und an auch mal ernsthaft und nachdenklich. Unter anderem, wenn es um die Zeit des Krieges geht und was dieser mit den Menschen gemacht hat. Oder wenn er vom Glauben und von Gott schreibt. Und insbesondere dann, wenn es um die Erkrankung seiner Mutter geht und seinen traumatischen Erlebnissen mit eben dieser.

Hape Kerkeling erzählt und beschreibt alles auf eine sehr ehrliche Art und Weise und insgesamt finde ich sein Buch sehr respektvoll geschrieben.

Leider konnte ich mich nicht davon befreien, dass mir immer wieder Film-/TV-Szenen im Kopf herumschwirrten. Aber nü, dafür sind einige "Schlüsselsätze" eben zu prägnant. Das presst ihn einerseits natürlich immer wieder ins gleiche Fach, andererseits zeigt es aber eben auch die Authentizität seiner Autobiografie.

Und dann gibt es da immer mal wieder einen oder zwei Absätze, bei denen ich denke "Mehr davon!" und ich mir mal einen gepflegten gemeinsamen Kaffeepott wünschen würde.... So ist Hape Kerkeling ein wesentlich religiöserer Mensch als ich. Ich kann mit diesem "der Oben wirds schon richten" nichts anfangen. Und während ich damit auf Kriegsfuß stehe, glaubt Hape Kerkeling an Gott. Und hat seinen Weg gefunden und eine klare Meinung zur Kirche:

[...] Hört also endlich auf zu drohen! Das ist einfach nur anmaßend, unreif und wirkt seltsam verängstigt. Bei Gott mag es ja alles in Hülle und Fülle geben, aber eines gewiss nicht: die nackte Angst!
Ihr in der katholischen Kirche habt Euch so oft geirrt und vermeintlich endgültige Urteile kleinlaut revidieren müssen. Da vertraue ich doch lieber auf mein Gewissen! Das fühlt sich gesünder an.

Hape Kerkeling, S. 240

Danke dafür!

Und jetzt stelle ich mir gerade die Frage: Ist es überhaupt eine Autobiografie im klassischen Sinne? Beim Verlag gilt dieses hier als Sachbuch... Hm.

"Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich" von Hape Kerkeling, erschienen 2014 im Piper Verlag, ISBN: 978-3-492-05700-4

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