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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


auf der Suche nach dem Glück

Veröffentlicht von TiRo auf 20. November 2014, 10:10am

Kategorien: #Cuxhaven

auf der Suche nach dem Glück

Es war wieder wie verhext: ich bin in meiner zweiten Heimat, wir wohnen Mitten im Nirgendwo zwischen der Heide und dem Wald, wir können schöne und ausgedehnte Spaziergänge machen, ich habe ein wunderbares Buch zum Lesen dabei, Kaffee und Kippen sind da, das Wetter spielt auch mit... Und dennoch wollte sich die Entspannung einfach nicht so richtig einstellen.

Nachdem ich die letzten Zeilen schrieb, machte ich einen ausgiebigen Spaziergang mit den Hunden. Als wir drei Rehe am Wegesrand stehen sahen, flippte Marie aus - fragt nicht, wie! Ich hatte ein völlig außer sich geratenes Araberpony an den Zügeln, ihr steigen kostete mich richtig Kraft. Aber danach war sie wie ausgewandelt. Den restlichen Spaziergang verbrachten wir fast so, als wären wir eingespielt. Kein Zerren mehr an der Leine! Und endlich fiel nach zwei Jahren der uns so vertraute Satz: "Guck mal Spunk, der Weg sieht so schön aus, lass uns den gehen.". Wir verliefen uns tatsächlich wieder und drehten eine fette Schleife. Ich musste lachen, denn es war einfach herrlich und ich dachte schon: "Yeahr, wir sind wieder da!".

Dennoch: das Gefühl hielt nicht lange an. Körper und Hirn wollten einfach keine gemeinsame Sache machen. Entweder war mein Hirn in anderen Sphären unterwegs und ich konnte mit dem Geschehen und den Eindrücken nicht mitkommen oder aber mein Körper wollte nicht, war schlapp und schwindelig. Frustrierend, Scheiss auf Biomeditation! Dann kamen auch noch ein paar sms von meiner Arbeit rein. Etwas, was mich sonst nicht weiter störte, gab mir dieses Mal scheinbar den Rest. So hatte ich vorgestern einen richtig schlechten Tag! Nix wollte helfen...

So begab ich mich auf die Suche nach dem Glück - meinem Glück. Und da Tante Google ja alles zu wissen scheint, hab ich sie mal unverfänglich gefragt. Und erhielt einiges an Antworten - aha. Unter anderem zeigte mir die Tante Begriffsdefinitionen, allerlei Selbsthilfegruppen, aber auch wissenschaftliche Seiten. Es war egal, ob ich "Glück" oder "glücklich sein" oder wie auch immer eingab.

Wusstet Ihr, dass es selbst Forschungen dazu gibt und sich diverse Psychologen damit auseinander setzen? Sollte zwar eigentlich nicht überraschen, dennoch ist es ja mal spannend, wofür es alles Forschungszweige gibt.

Es kam aber immer wieder auf das Gleiche raus: Glück zu empfinden ist subjektiv. Auch nicht überraschend. Manchmal denke ich, dass egal um welches Thema es sich handelt: die Selbstverarsche ist das Zauberwort, quasi der Schlüssel zu Allem! Sich lieber anpassen, als nach mehr Inhalt für sich selbst zu streben.

Hm, in diesem Kontext ist aber nicht das Streben nach mehr und sich auf die Suche begeben gemeint, sondern vielmehr, sich selbst nicht im Wege zu stehen. Sich selbst nicht am "Hier und Jetzt" zu hindern, indem man in der Vergangenheit oder Zukunft lebt. Da ich ja eh das Thema habe, mich selbst zu fühlen, als sei mein Leben eine Warteschleife, wollte ich mal ganz bewusst auf die Kleinigkeiten der Glücksseeligkeit in meinem Alltag hier achten. Positiv denken!

Ich setzte es direkt um und Ihr hättet mal Ditzes Gesicht sehen sollen, als ich gestern Morgen zu ihm ging und inbrünstig sagte: "Weißt Du, was hier total klasse ist? So richtig? Die Klospülung! Egal, wieviel Toilettenpapier man reinwirft, sie verstopft nicht!" Auf seine Frage, was denn mit mir passiert sei, antwortete ich: "Ich denke jetzt positiv! Vorbei ist das Jammertal."

So kam ich mir fast revolutionär vor, als ich den ursprünglichen Plan des Joggens über den Haufen warf und Marie und Ditze stattdessen loszogen. Ich wollte lieber mit Spunk alleine auf Tour gehen. So!

Spunk und ich zogen los... auf eine große Runde im "Hier und Jetzt". Es ergab sich, dass wir quer durch bei den zwei Bänken mit dem grünen Mülleimer rauskamen und wenn wir schonmal da waren, konnten wir auch unsere "alte Runde" gehen. Spunk und ich liefen an "unseren" Häusern vorbei. Dadurch, dass sie an beiden Häusern zur Haustür lief und insbesondere am "Mine-Haus" stehen blieb und nicht weiter wollte, dachte ich an Hermine. Dass ich sie vermisse, und wie schön unsere Runden waren...

Hallo? Sich erinnern, ein bißl zu trauern und zu schmunzeln aufgrund der Erinnerung, gepaart mit ein paar innerlichen Seuftzern wird jawohl auch im "Hier und Jetzt" erlaubt sein?! Nun lassen wir aber mal die Kirche im Dorf! Zumal wir dann ja auch weiterliefen...

Wir gingen auf das uns so vertraute Krankenhausgelände. Kurz vor der Stelle, an der mich Marie vor lauter Jagdlust direkt beim ersten Spaziergang in die Dornen fallen ließ, konnte ich an Spunks Körperhaltung sehen, dass da was sein musste. Ich guckte über Spunk hinweg auf den Weg und tatsächlich: direkt vor uns stand ein Reh! Es schaute uns an und ich dachte: "Wenn ich jetzt tot umfalle, dann habe ich das Glück noch gesehen! Genau das ist es: der Einklang mit sich und der Natur - das ist Glück!". Das Reh sprang seines Weges und Spunk und ich setzten den unsrigen fort. Wenn ich schon nicht tot umfiel, dann wollte ich runter zum Strand.

Es war einfach nur wunderbar! Spunk und ich waren alleine dort. Diese Ruhe, außer den Wind in den Ohren und unsere eigenen Schritte war nichts zu hören. Ich blieb stehen, um auch die eigenen Schritte nicht mehr zu hören, schaute ins Watt, zum Horizont, zu unserer Lieblingsstelle mit dem Holz... Wieder war mir das Glück - der absolute Einklang - begegnet!

Vor Einbruch der Dunkelheit waren Spunk und ich wieder in unsrem jetzigen Haus, ermattet, aber zufrieden.

Später las ich im Buch sogar noch von Kittys Glück:

auf der Suche nach dem Glück

Da steh ich nun, suche - quatsch: finde! - mein Glück, versuche nicht an den Arbeitsalltag zu denken, mein Hirn neu zu programmieren, übe mich im Optimismus und dem Einklang. Aber ab und an zu träumen, das sollte sich niemand nehmen lassen. Von dem was kommen mag, "wenn ich mal groß bin", wie ich gerne mal leben möchte. So lange ich die kleinen "Hier und Jetzt"-"Glücksinseln" trotzdem wahrnehme... Das ist mein erstes Leben, ich übe noch!

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