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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


Wenn jemand eine Reise tut,

Veröffentlicht von TiRo auf 9. Oktober 2015, 13:31pm

Kategorien: #Einfach so...

... so kann er was erzählen. (M. Claudius - Urians Reise um die Welt)

 

Ein Reisebericht in Etappen... Etappe I

 

Kurz vorweg (und für Leser, die auf den Freistaat neugierig sind, durchaus zu überspringen): 

Endlich, endlich hatte ich es geschafft und bin mal wieder in den Freistaat gekommen! Die letzten Wochen - ach, Monate! - ist hier so unglaublich viel passiert.

Im Blog war gar nichts davon zu lesen, aber mir stand auch nicht unbedingt der Kopf danach, etwas zu schreiben. Unter anderem hatte ich selbst eine 7 Monate anhaltende, sehr umfangreiche Zahn- und Kieferbehandlung. Da war ich zwischendurch froh, wenn ich überhaupt noch meinen Namen wusste und gesellschaftsfähig war ich in dieser Zeit kaum. Und da mein Hund Spunk und ich scheinbar in Sachen Zähne sehr symbiotisch leben, erging es ihr genauso. Nur mit dem Unterschied, dass sie noch an den Nachwirkungen des ganzen Dramas zu knacken hat, während ich gestern mein erstes Körnerbrötchen essen konnte. Hallelulja, war das lecker! 

Im Freistaat selbst hatte ich das Vergnügen, mit einem genialen Hund Freundschaft schließen zu dürfen (dazu später mehr), so dass ich umso desillusionierter war, als ich ein paar Hundezeitschriften durchblätterte und Dinge lesen musste, bei denen ich genervt und etwas fassungslos war. Wann ist das eigentlich passiert, dass sich in der Hundeszene einzelne Menschen Grundsätze, die für den Hund gelten, als eigenes Patent sicherten, um sie zu verkaufen? Sicherlich, der Trend war schon länger da, aber jetzt hat das Ausmasse angenommen, wo sich ein Erik Zimen im Grabe umgedreht hätte oder aber in eine einsame Blockhütte ausgewandert wäre. Mal ehrlich, das wäre fast so, als würde ich jetzt hingehen und das bekannte "Herz-Kreislauf-System" in "TiRos wunderbare Welt des Blutes" umtaufen und Seminare darüber halten, wie was zusammen wirkt?! Das sind so Momente, in denen ich es nicht bereue, mit der ganzen Szene nichts mehr am Hut zu haben. Neben dem, dass ich mindestens drei Jahre keine solcher Zeitschriften mehr in der Hand gehalten hatte. Da freue ich mich mehr über die Authentizität, die dieser Hund und ich an den Tag legen konnten, um uns kennen und schätzen zu lernen!

 

So, nun aber: Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. 

Wenn jemand eine Reise tut,

Voller Eifer und wiedergewonnenem Lebensmut buchte ich mir einen Sitz in einem dieser neuen Reisebusse. Diesen grünen, mit dem Anfangsbuchstaben "F" und einem "x" mittendrin. So unschlagbar günstig, um damit nach München und zurück zu kommen! Der Plan stand und war gut. Wenn man jetzt aber diese Reise unter dem Motto "Der Weg ist das Ziel!" antritt, dann kann ich nur laut schreien: "Nein, lasst es! Haltet Euch stets und ständig und ausschließlich das eigentliche Ziel vor Augen! Alles andere könnte in die Hose gehen - und zwar gehörig!" Wobei ich schon auch sagen muss, dass es sicherlich ganz viele andere Menschen gibt, die ohne Weiteres eine solche Reise bewältigen. Andere Menschen eben, die sind nicht ich. Und das Unternehmen hatte sein Versprechen gehalten: es gab WLAN und Steckdosen an Board. Das ist schon cool..., aber der Preis war dann doch zu hoch, um dieses kostenlose Angebot genießen zu können.

Natürlich - wie sollte es anders sein, wenn ich mich entschließe, mit einem solchen Bus zu fahren?! - hatte ich das große Pech, dass unmittelbar hinter mir zwei Menschen saßen, die einfach nicht aufhören wollten zu atmen. Und dabei hatte ich es mir so sehr gewünscht...! Ich kann mich nicht erinnern, jemals über gute 11 Stunden einem solchen Gestank ausgesetzt gewesen zu sein. Ich glaube, dass Knoblauch für diese beiden ein ganz fester Bestandteil ihres eigenen Systems war. Und nicht nur, dass sie zuvor wohl schon einigen intuss hatten, sie schoben sich auch noch unaufhörlich weiteren Stoff mit Kadaver ummantelt in den Mund. Aber das mussten sie wahrscheinlich auch genauso tun, denn bei den Mengen an Wodka-Energydrinks und Bier, welches sie zusätzlich konsumierten, wären sie vielleicht ohne Knoblauch samt Kadaver gar nicht in München angekommen? Und während sie immer betrunkener wurden, hatte ich gehofft, dass sie einfach mal ihren Mund halten und schlafen würden. Nix da: sie atmeten und redeten weiter und ich ereichte bald meine eigene körperliche Grenze.

Vorsorglich hatte ich mir eine Packung von den Reisetabletten gegen Übelkeit von den Hunden mitgenommen. Doof, ganz doof: ich hatte die falsche Packung eingesteckt und es befand sich lediglich eine popelige Tablette in dieser Schachtel. Eine....! Auch wenn "eine besser als keine" ist, hätte ich mindests 2 - 4 dieser Dinger gebraucht. Und merke: Kopfschmerztabletten oder jegliche Drogen NICHT in den Koffer tun, sondern stets ins Handgepäck! Sind diese nämlich erst einmal unten im Bus verstaut, hast du keine, aber auch gar keine Chance mehr, dran zu kommen.

Und so kamen sie, meine Kopfschmerzen. Sie krochen so richtg übel bis an die Schädeldecke, klopften dort mit voller Wucht mit ihrem Gummihammer und kratzten sich mit dreckigen Nägeln durch das Großhirn bis in den so gut eingebetteten Hippocampus. Gekoppelt mit dem Umstand, dass ich unter Nikotin- und noch viel, viel schlimmer Koffeinentzug litt, glich dieser Umstand schon der Folter. In dem Bus war es nämlich einfacher, an Bier ranzukommen, als an Kaffee. Um noch deutlicher zu werden: ich hatte K-E-I-N-E-N Kaffee!

Es gab lediglich eine Pause..., ca. 1,5 Std. nach Fahrtantritt. Da ich nicht wusste, dass es die einzige Pause sein würde, hatte ich mir dort auch keinen Kaffee an der Raststätte gezogen. Dachte, dass ich das bei der nächsten Rast tun würde. Großer Fehler: Kaffee sollte vorsorglich bei jeder Möglichkeit i-m-m-e-r besorgt werden - ungeachtet dessen, ob man denkt, man bräuchte ihn in dem Moment gar nicht. Man braucht ihn immer - quasi ever, ever, ever!

Ich hatte mir extra zwei Bücher vom Verlag mitgenommen, die ich eigentlich während der Fahrt lesen wollte. Stattdessen saß ich gequält und zwischendurch aufstöhnend in diesem Bus und betete darum, der Horror möge bald ein Ende nehmen. Doch statt erlösender Worte, gab der Busfahrer nur jeweils die Zeiten durch, um die wir uns am Zielort verspäteten. 

Und was ich auch nicht wusste: Direktfahrt bedeutet nicht, dass man auch wirklich direkt durchfährt. Vielmehr bedeutet es lediglich, dass man nicht umsteigen muss. Aha. So kachelten wir also zwischen Dortmund und München noch 4 oder 5 weitere Städte an, um Passagiere aus- und einzuladen. Merke: bei einer solchen Reise, ziehe Dich möglichst so an, dass Du bei niemanden Vertrauen erweckst. Mache irgendwas, von mir aus male Dir Dein Gesicht an, wie KISS oder Alice Cooper - aber sei nicht Du selbst! Das könnte nämlich zur Folge haben, dass sich - ungeachtet der anderen freien Plätze am Gang - ständig jemand neben Dich setzt. 

So setzte sich also direkt beim ersten Zustieg ein junger Mann neben mich. Anfangs hab ich noch gedacht: "Prima, er hat einen eBook-Reader bei sich und hält somit seine Klappe." und ich hatte sogar noch die Kraft, darüber gedanklich zu philosophieren, warum ein erwachsener Mann eigentlich ein solch blumiges Weichspülmittel benutzt. Ich schlitterte schnell bergab mit meinen Gedanken: "Warum benutzt ein Mann überhaupt Weichspüler? Wohnt der noch bei Mutti oder was? Ach..., das ist so ein "Ich lese meine Bücher aber lieber im Englischen, das ist das Original"-Typ, Wichtigtuer, In-der-Sauna-unten-Sitzer, SAITENBACHER-Müsli-Esser..." - es wurde nicht besser mit mir. Hätte ich geahnt, dass es noch einen Wechsel geben würde und wer sich anschließend neben mich setzt, hätte ich wahrscheinlich dann doch und trotzdem meine Fingernägel in seinen mit blumigen Weichspüler gewaschenen Wollpullover gerammt und geschrien: "Nein, steige nicht aus - fahre weiter bis nach München!". Doch während ich mich dem Kopfschmerzkoma näherte und mit Übelkeit zu kämpfen hatte, kam es wie es kommen musste:

Es gab einen Wechsel und es setzte sich ein junger Mann neben mich, der gerade frisch aus der Krebs-Koch-Küche gehüpft sein musste! Ich war nicht mehr in der Lage, hörbar aufzustöhnen. Also brach ich spektakulär in meinem Inneren zusammen! Knoblauchkadaver mit Wodka, Bier und Krebssud - das war zuviel für mein Brechzentrum. Reine Körperbeherrschung, dass ich es an mich halten konnte.

Ich glaube, je länger die Fahrt dauerte, desto verzweifelter wurden meine Nachrichten an die Menschen, die mich in München empfangen wollten...

Irgendwann passierten wir Nürnberg, ein Ende schien in Sicht. Chrissy fragte mich, ob ich was erkennen könne, ein Schild oder sowas. Ich fotografierte meinen aktuellen Standort:

Wenn jemand eine Reise tut,

Zielsicher wie ich bin, hatte ich mir das wohl hässlichste Gebäude der Stadt als Motiv rausgesucht *schallend lach*. Aber schön kann auch jeder - das entsprach mehr meinen derzeitigen Gedanken und der Betrachtung von schönen Dingen, äh Gebäuden.

Der Tripp ging weiter... Immer wieder gab der Fahrer die Zeiten durch - ich weiss es gar nicht mehr, ich gaube, es waren 2 Stunden, die wir verspätet in München ankommen sollten? Mein Wunsch nach Kaffee und einer Ibuprofen stiegen ins Unermessliche. Es wurde dunkel draussen, auf der Straßen herrschte Chaos, denn Dank meiner super spontanen Planung hatte ich mir natürlich das letzte Oktoberfest-Wochenende ausgesucht, um nach München zu fahren. Ich setzte noch eine Nachricht ab, dass ich lieber einen Kaffee hätte als Wasser zur bereitgehaltenen Ibu, als endlich ein tatsächliches Ende des Martyriums abzusehen war. Nun kamen wir aber so spät an, dass auf dem ZOB ein absoluter Ausnahmezustand herrschte. Nach kurzem Rumeiern nahm der Busfahrer einfach die nächste Haltebucht, ganz egal, ob die für diese Ankunft gedacht war oder nicht. Ich taumelte mehr, als dass ich ausstieg - endlich, ich war da und wurde sowas von lieb empfangen!!! Nicht nur, dass ich direkt einen Pott Kaffee bekam, so lag auch die Ibu schon im Auto bereit und selbst die Hunde waren mitgekommen und glotzten erstmal über den Rücksitz. *fucking Herzchen*

Ab ging es nach Weil...

 

 

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