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Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


[Buch] Ein Jahr auf dem Land

Veröffentlicht von TiRo auf 3. Mai 2015, 11:56am

Kategorien: #Bücher

[Buch] Ein Jahr auf dem Land

Mit ihrem Titel Ein Jahr auf dem Land weckt die Autorin Anna Quindlen Sehnsüchte. Zumindest bei mir.

Bei der Protagonistin Rebecca hat der Umzug auf´s Land eher ganz pragmatische Gründe, denn sie kann sich ihr schickes New Yorker Appartement kaum mehr leisten.

Mit ihren 60 Jahren liegt der Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere als Fotografin wohl hinter ihr; das benötigte Geld bleibt aus, ihre Ehe ist geschieden und der Sohn lebt bereits sein eigenes Leben. Rebecca vermietet ihr Appartement unter und zieht in ein kleines, stinkiges und heruntergekommenes Haus irgendwo auf dem Land. Ohne Handy-, geschweige denn Internetempfang. Sie sieht sich plötzlich mit der Natur und dem Leben der Dorfidylle konfrontiert.

Neben dem, dass Rebecca den Dachdecker und Naturliebhaber Jim kennenlernt, ist sie die meiste Zeit mit Rechnen beschäftigt. Sie trauert ihrem Appartement hinterher, lässt Teile aus ihrem Leben Revue passieren und besucht zwischendurch ihre derweilen hilfebedürftigen Eltern. 

Mehr oder weniger regelmässig kehrt sie bei Sarah im Tee für zwei (oder auch mehr) ein. Sarah hat sich ihren Traum von einer englischen Teestube erfüllt - ausgerechnet in der Provinz, in der einige mit den angebotenen Leckereien gar nichts anfangen können. Aber Rebecca hat dort Internetempfang und so wenigstens ansatzweise das Gefühl, ihrem Leben eine Struktur zu geben und sowas wie zu arbeiten, wenn sie ihre Mails checkt. Dass Sarah ihr im späteren Verlauf auch noch dabei hilft, wieder zu Geld zu kommen, hätte Rebecca zu dem Zeitpunkt nicht erwartet.

Darüber hinaus unternimmt Rebecca Wanderungen. Ihre Kamera stets bei sich, ist sie auf der Suche nach interessanten Motiven, die sie vielleicht an ihren einstigen Erfolg anknüpfen lassen können. Nach und nach schleicht sich eine Veränderung ein. In Rebecca, in ihr Leben, ihren Gedanken. Und in Form eines Hundes, der sich entschieden hat, bei ihr zu bleiben. Sie fasst den Mut, neue und unbekannte Wege zu beschreiten...

[Buch] Ein Jahr auf dem Land

Und ohne jetzt zuviel vom weiteren Inhalt zu verraten, kann ich aber schon sagen: "Alles wird gut.". Natürlich wird alles gut! Immerhin befinden wir uns in der Nähe von New York und damit hier in der eher seichten Form der Unterhaltung. Da ist - in diesem Fall "typisch amerikanisch" - das gute Ende vorprogrammiert. Meiner Meinung nach ein wenig zu dick aufgetragen. Ein Drittel davon hätte locker gereicht.

Dabei mochte ich das Buch eigentlich gerne lesen. Na gut, zwischendurch war´s thematisch etwas zu "geldsorgen-lastig" und somit an der Grenze zum etwas "ausgelutscht" anmutenden "Jammern". Hey, wir haben es hier mit einer Künstlerin zu tun, die mal richtig viel Geld hatte, nun aber etwas von ihrem Luxus einbüßen musste - eine wirkliche Krise sieht anders aus. Aber dennoch. Zwischendurch musste ich grinsen, als ich mir die Frage stellte, wann das eigentlich passiert ist, dass ich zu Büchern greife, die so offensichtlich "Vom unerwarteten Glück eines späten Neubeginns" (Buchdeckel) erzählen. Aber es ist durchaus unterhaltsam und auch nett. Besonders die Hintergrundgeschichte zu den Kreuzen (welche Rebecca auf ihren Wanderungen entdeckt, fotografiert und die ihr eine Ausstellung bescheren) finde ich sehr gelungen, wohl durchdacht und konstruiert. Genauso hat Sarah meine volle Sympathie geerntet. 

Insgesamt ist es eh "Geschmackssache". Ich wünsche dem Buch samt der Autorin natürlich ganz viele tolle Leser. Aber so wirklich stillen konnte es meine eigene Sehnsucht nicht. Es ist eher eine nette Unterhaltung für einen verregneten Tag.

 

Anna Quindlen ist 1952 in den USA geboren und zählt dort zu den ganz großen Autorinnen. Für ihre Kulumnen in der New York Times erhielt sie 1992 den Pulitzer-Preis und ihr 1995 erschienener Bestseller Die Seele des Ganzen" wurde mit Meryl Streep unter dem Titel Familiensache verfilmt.

 

Ein Jahr auf dem Land von Anna Quindlen, erschienen 2015 bei Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), 320 Seiten, ISBN: 978-3-421-04666-6

 

 

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