TiRo

TiRo

Es ist wie es ist ... und alles bleibt anders.


Knockemstiff

Veröffentlicht von TiRo auf 13. September 2014, 14:05pm

Kategorien: #Bücher

Knockemstiff

Abgefahren...! "Das Buch ist der Hammer...", waren meine Gedanken, als ich es ausgelesen habe. Und dabei musste ich zwei Versuche starten, um es überhaupt zu lesen. Beim ersten Mal legte ich es nämlich wieder zur Seite. Hatte ich mich gerade an einen etwas milderen Schreibstil gewöhnt, war mir der Ausdruck des Autors Donald Ray Pollock zu hart. Beim zweiten Versuch erging es mir anders und umso mehr packte es mich. 

 

"Knockemstiff" ist ein kleines Kaff in Ohio (USA), aus dem es offenbar kein wirkliches Entrinnen gibt. Wahrscheinlich wird man dort direkt mit der Perspektivlosigkeit geboren.

Das Buch handelt von Menschen - Mitten im Nirgendwo. Drogen, Gewalt und Sex. Und einem Auto, welches von einer Eule bewohnt wird.  In 18 Geschichten erzählt der Autor Auszüge aus deren Leben als Aussenseiter.  

Del war mit einer Frau zusammen, die er nicht loswerden konnte, ganz gleich, was er tat oder sagte. Jedes Mal, wenn er sie bei ihrer Wohngemeinschaft absetzte, war sie vor ihm wieder in seinem Zimmer; ihr Tablettenspender war dann frisch aufgefüllt, und sie hatte einen Stapel sauberer Unterwäsche dabei. Wie um das Ganze noch schlimmer zu machen, nervte sie ihn zu Tode mit diesen Fischstäbchen, die sie ständig aus einer Plastikhandtasche zog. Sie waren kalt, fettig und mit grauen Fusseln behaftet. Und obwohl sie womöglich die beste Frau war, mit der Del Murray je zusammen gewesen war - haufenweise roher Sex, die neuesten Psychopharmaka, Schecks von der Regierung -, war es ihm immer noch peinlich, sich mit ihr in der Öffentlichkeit sehen zu lassen.

Pollock (2013): Knockemstiff, S. 128

Einige Personen trifft der Leser mehrmals, so dass sich die Geschichten ineinander verweben und ein Netz zu bilden scheinen. Es ist brutal, aussichtslos und dennoch fesselnd.

 

Donald Ray Pollock, "Knockemstiff"

erschienen 2013 bei Verlagsbuchhandlung Liebeskind

ISBN: 978-3-95438-014-5

 

 

 

 

Den Ort "Knockemstiff" gibt es tatsächlich. Und er scheint genauso, wie ihn der Autor beschrieben hat.

Junction of Black Run Road and Shady Glen Road in Knockemstiff, Ohio / Quelle: Wikipedia

Junction of Black Run Road and Shady Glen Road in Knockemstiff, Ohio / Quelle: Wikipedia

Nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, habe ich ein wenig gegooglet. Selbst Satelitenbilder habe ich mir angeschaut. Kennt Ihr das? Wenn ich ein Buch gut finde, ein wenig weiter nachforsche und feststelle, dass es den Ort wirklich gibt, dann bin ich schon so, dass ich es spannend finden würde, ihn mir tatsächlich mal anzusehen. Sollte ich also jemals in Ohio sein, würde ich nach Knockemstiff fahren.

Dabei muss ich grinsen, denn zum einen wurde genau solch eine Szene auch in dem Buch beschrieben, wie zwei völlig nervtötende Leute daher kommen und Fotos machen wollen und zum anderen erinnert es mich daran, dass ich mal so eine Art "Katastophentoursimus" in unserer dt. Großstadt anbieten wollte. Mit den entsprechenden Kontakten, wäre das Leben hier gar nicht so verschieden. Nur, dass es hier nicht soviel Einöde gibt und es schwieriger wird, einen Verfolger vom Militär in einer Schlangengrube zu "entsorgen".

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post

Blogarchive

Soziale Netzwerke

Neueste Posts